Stefan Peil - Südstadtkultur in den Rat

Portrait Stefan Peil
Die Kölner Südstadt, in der ich seit ca. 35 Jahren lebe, ist für mich deshalb so lebenswert, weil sie fast überall urbanes Leben in Vielfalt ermöglicht. Toleranz und Akzeptanz sind hier die Stichworte. Hier wohnen überwiegend friedlich Menschen aus mehr als 100 Nationen zusammen und bringen eine inspirierende Buntheit der Kulturen mit. Das sieht man auf der Straße, das drückt sich im Geschäftsleben aus und das führt auch zu wunderbaren kulinarischen Erlebnissen. Ich nenne jetzt nicht meine Lieblingsrestaurants – das wäre etwas viel.
Soziale Vielfalt prägt die Südstadt. Der Medienunternehmer neben der Professorin, der Obdachlose neben dem Künstler, der Handwerker neben der Lebenskünstlerin, der Musiker neben dem Kneipenspezialisten – sie alle und noch viel mehr begegnen sich auf diesen wenigen Quadratkilometern und „drink doch ene met“ ist nicht selten zu hören.
Musik hört man überall – und in der Südstadt ist sie oft selbstgemacht. Die unvergleichliche Eierplätzchenbänd, die vielen kölschen und internationalen Gruppen, die sich zum Teil um den Humba e.V. scharen, das Edelweißpiratenfestival, das zu unterstützen ich die Ehre habe, die Bläck Fööss, die ihre Wurzeln im Veedel haben und denen wir sentimentale und lebenskluge Lieder über die Südstadt verdanken.
Dass in der Südstadt mal die „Kölner Werkschulen“ waren – ihr Ende war ein herber Verlust für die ganze Stadt - merkt man noch an allen Ecken und Enden – bildende Künstler, Goldschmiede, Objektkünstler usw. bevölkern die Südstadt und prägen das Leben dort.
Kaum scheint die Sonne, ist das bunte Völkchen schon auf der Straße. Die Bereitschaft, sich bürgerschaftlich zu engagieren und politisch einzumischen ist in der Südstadt besonders ausgeprägt. Fünf BI´s kümmern sich um die Stadtbahnquerung am Rheinufer, die nun schon ca. 40 Jahre alte BISA, die – wie jetzt auch - immer wieder auflebt wenn es Not tut, hat besonders beim Kampf um eine sozial vielfältige Südstadt gegen die Spekulanten und bei der Stollwerckbesetzung Geschichte geschrieben. Natürlich war und bin ich auch dabei. Ernsthafte und verantwortungsbewusste Engagierte und ein lockerer nachbarschaftlicher Ton schließen sich hier nicht aus.
Ein solcher Lebensstil ist sicherlich nicht ohne Weiteres zu übertragen – aber ein offener Umgang miteinander gepaart mit mehr Engagement für das Gemeinwohl und klarer Verantwortung für die Stadt – das wünsche ich mir und das würde ich gern aus der Südstadt in den Rat mitnehmen.
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